Uganda – Die Perle Afrikas?

Gaby Indermaur, 30. Juni 2015

Irgendwann, vor vielen Jahren, soll Winston Churchill Uganda «Die Perle Afrikas» genannt haben. Ist Uganda wirklich eine schimmernde, einzigartige Perle?

Der Tag erwacht. Die Wirkung des frühmorgendlichen Kaffees weckt auch meine Lebensgeister. Mein Flug nach Kisoro ist nicht auf der Anzeigetafel. Aber ich habe doch eingecheckt? «Guten Morgen, fliegen Sie nach Kisoro?», fragt mich eine freundliche Frauenstimme. Ich bejahe, folge ihr zum Sicherheitscheck und anschliessend zur Maschine. Persönliche Flugabfertigung – ein guter Start in mein Abenteuer nach Uganda.

Nebelschwaden ziehen durch die Täler, die Hügel leuchten in sattem Grün, verstreute Siedlungen. Meine Augen strahlen und kleben an dieser unter mir vorbei ziehenden Landschaft. Die Landepiste ist mit einer Barriere gesperrt! Nicht für uns, sondern für alle Fussgänger, die Motorradtaxis, Autos und Lastwagen. Die Strasse führt direkt über das Flughafengelände.

«Hallo, ich bin Charles, euer Fahrer und Guide», werden wir nach einer sanften Landung mit strahlendem Lächeln begrüsst. Auf dem Weg zur Lodge beim Bwindi Nationalpark tauschen wir die ersten Informationen aus, scherzen. Schnell sind wir Drei uns sympathisch. Und wir, das ist nebst Charles auch Wiet aus Belgien, der ebenfalls mit auf dieser Tour ist.

Über grüne Täler und Hügel nach Kisoro

Über grüne Täler und Hügel nach Kisoro

Auf Tuchfühlung mit den Berggorillas

Die steilen Hänge werden landwirtschaftlich bewirtschaftet. Was für eine harte Arbeit, denke ich, als ich dem Fährtenleser zum «undurchdringlichen Wald», wie der Bwindi Nationalpark heisst, folge. Ob wir die Berggorillas finden werden? Erste Schweisstropfen zieren nicht nur meine Stirn. Mein Träger Lamas, der meinen schweren Fotorucksack trägt, muss hart für seinen Lohn arbeiten. Immer freundlich, stets mit einer helfenden Hand ist er zur Stelle. Anstrengend ist das Gehen. Ich hätte wohl doch einmal mehr meine Joggingschuhe schnüren sollen, denke ich.

«Pssst…!» Nach ungefähr 90 Minuten gehen auf schmalen, steilen Pfaden wird uns angedeutet, dass wir die Rücksäcke deponieren sollen und nur die Kameras umhängen. Als ich um den nächsten Busch gehe, bin ich sprachlos.

Zwei Berggorillas sonnen ihren Rücken im hellen Strahl. Ich spähe durchs dichte Grün und entdecke weitere Gorillas. Ein Knacken im Geäst, der Chef der Gruppe markiert seine Position. «Das ist Nkuringo, der Silberrücken», erklärt Shaban, der Fährtenleser. Ein Jungtier, flauschig und mit grossen Augen, angelt sich von Ast zu Ast. Wird sanft von seiner Mutter aufgefangen und auf den Rücken gelegt. Genüsslich werden Blätter gekaut, vertraut sind die Fingerfertigkeiten. Genial, Nkuringo und seine Familie eine Stunde zu beobachten!

Der «Jö-Effekt» für das flauschige Gorillababy ist gross

Der «Jö-Effekt» für das flauschige Gorillababy ist gross

Aug' in Aug' mit einem Berggorilla im Bwindi Nationalpark

Aug’ in Aug’ mit einem Berggorilla im Bwindi Nationalpark

Zurück in der Lodge werden wir mit leckerem Essen und einem knisternden Feuer verwöhnt. Zufrieden sinke ich im bequemen Bett unter die warmen Decken. Orange Augen begleiten mich in meine Träume.

Flusspferde, Löwen und der Vogel der Nation

«Bitte zieht die Schwimmwesten an», werden wir aufgefordert. Ich sitze in einem Boot mit einigen anderen Touristen. «So sind wir wenigstens schwer verdaulich für die Flusspferde», scherzt Wiet. Mit herrlichem Wind in den Haaren brausen wir los. Der natürliche Kazinga Kanal verbindet den Lake Edward mit dem Lake George. Es dauert nicht lange, und wir werden mit vielfältiger Vogelwelt belohnt. Flusspferde schwimmen im Wasser, tauchen unter. Aber doch wohl nicht unter unser Boot? Der Schiffsführer steuert uns routiniert durch Untiefen und an Flusspferd-Herden vorbei.

Ein der grössten Flusspferd-Dichte Afrikas beobachte ich im Kazinga-Kanal

Eine der grössten Flusspferd-Dichte Afrikas beobachte ich im Kazinga-Kanal

Auf der abendlichen Pirschfahrt stehen Antilopen nervös in der Weite der Steppe. Mit dem Fernglas sucht der Spurenleser das Gras ab. «Dort, Löwen!» Wir fahren los und sind bald von einem Dutzend Löwen umgeben. Zum Glück scheinen sie satt zu sein, unsere Anwesenheit beeindruckt die Löwenfamilie nicht.

Legende Bild 6:Löwenrudel-Beobachtung im Queen Elizabeth Nationalpark

Löwenrudel-Beobachtung im Queen Elizabeth Nationalpark

Als krönenden Abschluss der Wildbeobachtung sehen wir das Wappentier Ugandas, den Kronenkranich. Mit goldenem Kopfhaarbüschel, schwarzer Stirn, rotem Halslappen und grauem Gefieder ist der Kranich ein bunter Farbklecks in der goldleuchtenden Savannenlandschaft.

Der Kronenkranich - Wappentier Ugandas

Der Kronenkranich – Wappentier Ugandas

Ruf der Schimpansen und eleganter Flügelschlag des Schuhschnabelstorchs

Schon seit über zwei Stunden wandern wir durch den Wald des Kibale Nationalparks, balancieren auf Holzplanken über Sumpf, durch Matsch. Stille, nur das Knacken der Äste unter unseren Fusssohlen, Vogelkrächzen. «Aus welcher Richtung hast du denn die Rufe der Schimpansen gehört?», fragt mich der Guide. Hilflos zucke ich mit den Schultern, ich bin komplett orientierungslos.

«Als ich die weit entfernten Schimpansenrufe gehört habe, kamen diese von links. Aber ich habe keine Ahnung mehr, wo ich bin». Wieder einmal staune ich über die Orientierungsfähigkeit der lokalen Führer. Hier in diesem Waldstück finden wir die Schimpansen nicht. Wir wandern zum Ausgangspunkt zurück und fahren in ein anderes Gebiet. Bald wird es dunkel. Und dann, mit dem letzten Tageslicht, sichten wir die Schimpansen.

Die Wanderung im Kibale Nationalpark hat sich gelohnt: Wir sehen doch noch Schimpansen

Die Wanderung im Kibale Nationalpark hat sich gelohnt: Wir sehen doch noch Schimpansen

Das Semiliki Wildlife Reserve verwöhnt die Besucher mit reicher Vogelwelt und komfortabler Lodge mit leckerem Essen, aufmerksamem Service. Und der nahegelegene Lake Albert ist Heimat des seltenen Schuhschnabelstorchs. Bis zu 1.20 Meter hoch kann er werden, der Schnabel ist kräftig und gross. Selten wird er gesehen, gerade jetzt in der Regenzeit findet er auch reichlich Nahrung weg vom Seeufer und Papyrusrändern. Fischer kreuzen unseren Weg. Auch sie haben heute den Vogel noch nicht gesichtet.

Wir fahren in Buchten, suchen mit den Ferngläsern das Grün ab. Wir sind nicht im Zoo und ich habe mich bereits damit abgefunden, ohne eine Sichtung zurück zu fahren. Doch dann: Ein Strahlen im Gesicht unseres Bootsführers!

Für mich noch zu weit weg und unsichtbar, brausen wir los. «Du hast Adleraugen», lache ich ihn an. Erst jetzt kann auch ich das seltene Exemplar fixieren. Mit abgestelltem Bordmotor dümpeln wir zu diesem faszinierenden Schuhschnabelstorch bis er davon fliegt. «Gute Arbeit», lobt Wright, der Lodgemanager. Definitiv!

Der Schuhschnabelstorch trohnt majestätisch im Papyrusgras

Der Schuhschnabelstorch trohnt majestätisch im Papyrusgras

Kidepo Nationalpark – ein Juwel

Weit abgeschieden von der Zivilisation und 90 Flugminuten von Entebbe entfernt, finde ich ein Naturparadies. Nur ca. 2700 Besucher jährlich registriert die Parkverwaltung. Das sind nicht einmal acht Besucher pro Tag.

Bereits auf der 3 km kurzen Fahrt vom Flugfeld zur Lodge sehen wir Elefanten und Büffel. Die Begrüssung ist herzlich. Mit einem kühlen Drink in der Hand schweifen meine Augen begeistert über die Steppe. Zäune gibt es nicht um die Lodge, näher und ursprünglicher kann man an der afrikanischen Natur kaum sein. Warzenschweine rennen mit senkrecht aufgestelltem Schwanz davon. Wenn ich eine Bilderbuch-Safarilandschaft zeichnen müsste, sie würde aussehen wie der Kidepo Nationalpark.

Auf den Pirschfahrten begegnet mir die vielfältige Tierwelt: Riesige Büffelherden mit mehreren hundert Tieren, verschiedene Antilopen, einen Schakal, Vögel, Giraffengruppen. Zebras grasen friedlich, Elefanten schreiten vorüber. Löwen liegen faul und halb von Büschen versteckt auf einem Felsen und auf einem Ast. Sogar einen Gepard entdecken wir zwischen den Grashalmen, eilig läuft er davon. Höchste Safarigefühle!

Wer beobachtet hier wen im Kidepo Nationalpark?

Wer beobachtet hier wen im Kidepo Nationalpark?

Leider ist es Zeit geworden, Abschied von Uganda und auch von Wiet und Charles zu nehmen. In meiner Erinnerung werde ich die Vielfalt an Landschaften, die freundlichen Menschen und die reiche Tierwelt mit nach Hause nehmen.

Und Winston Churchill hatte Recht: Uganda ist eine wunderbare Perle. Aufgefädelt wie auf einer Perlenkette reiht sich Juwel um Juwel vor dem Reisenden auf. Uganda ist definitiv eine Reise wert!

Gastautor: Gaby IndermaurGastautorin, Fotografin und leidenschaftliche Reisende

    Kommentare

  1. MIchael Kenia
    13. Juli 2015

    Sehr schöne Fotos von den Safaris. Uganda ist nah bei uns und bestimmt eine Reise wert, werde ich mal im nächsten Jahr mir vornehmen

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