Kidepo – Unbekanntes Safariparadies Teil 1

Gaby Indermaur, 5. Juli 2015

Ganz im Norden Ugandas befindet sich der Kidepo Nationalpark. Im Dreiländereck zu Südsudan und Kenia. Dieser ist einer der unberührtesten aller Nationalparks in Afrika. Auf einer Reise durch Uganda lerne ich dieses einzigartiges Naturparadies kennen und lieben. Die Vielfalt an Landschaftsformen und Tierreichtum ist aussergewöhnlich.

Das Bordmagazin in der kleinen Maschine mit zwei Piloten und elf Passagiersitzen verschmähe ich. Zu faszinierend ist die Landschaft unter mir. Grüne Hügel, Streusiedlungen, Hütten, Wälder, einzelne Strassenpisten. Die Weite der Steppe. Ich fliege von Entebbe, dem Internationalen Flughafen von Uganda, in den äussersten Norden des Landes. Wir sind nur drei Passagiere und haben dasselbe Ziel: Eine Safari im Kidepo Nationalpark.

Es gibt nur eine Richtung für die 90 Flugminuten in den Kidepo Nationalpark: Norden

Es gibt nur eine Richtung für die 90 Flugminuten in den Kidepo Nationalpark: Norden

Was ist das denn, denke ich beim Sinkflug auf die Landepiste. Entfernte schwarze Punkte in der Savannenlandschaft. Mit einem Safarifahrzeug von der Lodge werden wir abgeholt. Die Fahrt ist kurz, die Lodge ist ungefähr drei Kilometer von der Flugpiste entfernt. Mit herrlich frischen Lappen und einem kühlen Drink werden wir begrüsst. Begeistert schweifen meine Augen über die Landschaft.

Unbekannt selbst bei Expats

Bei den Informationen zum Leben in der Lodge wird uns ausdrücklich mitgeteilt, dass wir uns nachts ausschliesslich nur mit Sicherheitspersonal ausserhalb des Zimmers bewegen dürfen. Zäune gibt es keine um die Lodge – nur Natur pur. Schlafgewandelt bin ich noch nie. Na ja, oder ich habe es selber noch nie mitbekommen. Also kein Problem. Und ich merke mir, dass ich mit dem Aussenlicht oder mit der Taschenlampe blinke, bevor ich in der Dunkelheit draussen herumlaufen will.

Die zehn Bungalows der Apoka Safari Lodge sind verteilt und bieten Privatsphäre. Die Anlage ist auf einem Felshügel gebaut, eingebettet in die Natur. Sogar einzelne Wege führen über den griffigen Stein. Auf dem Weg zu meinem temporären Daheim rennt eine Warzenschweinfamilie davon. Ihre Schwänze senkrecht in den Himmel gerichtet; sieht aus, wie wenn sie Antennen am Hintern hätten. Herrlich luftig ist mein Raum, viele Wände sind durch feinste Schutznetze ersetzt. Freier Blick auf die Steppe sogar während dem Duschen und beim Aufwachen. Mir gefällt’s.

Natur pur rund um die Apoka Safari Lodge

Natur pur rund um die Apoka Safari Lodge

Beim gemeinsamen Mittagessen am grossen Tisch lerne ich die anderen Gäste kennen. Wiet kenne ich bereits, wir sind seit einigen Tagen zusammen in Uganda unterwegs. Lilo, die Dritte aus dem Flugzeug, ist Deutsche und arbeitet seit einigen Jahren in Uganda für eine NGO. Auch eine Familie mit zwei Kindern geniesst ein verlängertes Wochenende im Kidepo. Wie sich herausstellt, haben sie ihre Wurzeln in der Schweiz und den USA. Der Nationalpark ist so unbekannt, dass sie, obwohl sie in Uganda arbeiten, lange Zeit nicht wussten, dass es den Kidepo Nationalpark gibt.

Auf einer Fläche von 1‘442 km² erstreckt sich das Gebiet im Dreiländereck Uganda/Südsudan und Kenia. Wie ein Bilderrahmen werden die Flächen mit bis zu 2‘749 m hohen Bergen begrenzt. Der Nationalpark soll einer der vom Tourismus unberührteste der Welt sein. 2013 wurde er von CNN Traveller zum drittbesten Park in Afrika gewählt und für den World Travel Award für den Leading Park in Afrika nominiert.

Mit ungefähr 2‘700 Besuchern pro Jahr gibt es kein Gedränge um die Tiere wie manchmal in anderen Parks in Afrika. Denn das sind im Durchschnitt nicht einmal acht Besucher pro Tag. Der Park umfasst zwei ausgedehnte Täler. Ich bin im Narus-Tal. Der Fluss führt ganzjährig Wasser. Im Kidepo-Tal trocknet der Fluss während der Trockenzeit aus. Die Tiere finden dann das lebensrettende Wasser im Gebiet der Lodge. Seit einigen Jahren ist die Sicherheitslage im Park gewährleistet. Und der Kidpeo beherbergt die grösste Artenvielfalt der grösseren Säugetiere aller Nationalparks Ugandas. Welche Tiere werde ich sichten?

Sundowner mit Löwengebrüll

Nachmittags gehen Lilo, Wiet und ich auf eine Pirschfahrt. Und fahren mitten durch die vielen schwarzen Punkte, welche ich aus der Luft gesehen habe: Eine Elefantenfamilie mit ungefähr 30 bis 40 Tieren. Auf der Weiterfahrt führt die Piste durch eine riesige Herde Büffel mit mehreren hundert finster dreinblickenden Vierbeinern. Ein Schlammloch scheint besonders beliebt zu sein, einige Tiere drängeln ihre massigen Körper im Matsch. Ein Frankolin-Vogel rennt vor dem Vorderrad mit tippelnden Schritten vor uns her. Auch verschiedene Antilopen sind zu sehen. Toll, das fängt ja gut an, denke ich.

Gegenverkehr auf der Piste

Gegenverkehr auf der Piste

Irgendwann ist es Zeit für den Sundowner. Richard, unser Fahrer, arrangiert Getränke und Snack. «Dein Gin Tonic ist fertig», werde ich gerufen. Doch ich bin so begeistert vom Sonnenuntergang, dass ich erstmal fotografiere. Doch dann: Die friedliche Stimmung wird plötzlich laut und nachdrücklich unterbrochen.

Perfekter Platz für einen Sundowner

Perfekter Platz für einen Sundowner

Ein Löwe brüllt in der Nähe! Doch wo ist er? Wir suchen den nahegelegenen, mit grossen Büschen bewachsenen Felsen mit dem Fernglas ab. Mehrmaliges lautes Brüllen – sehen können wir das Tier nicht. Zeit, wohl meine Kamera einzupacken, Richard bleibt entspannt. «Das ist ein Männchen», meint er fachkundig. Er stammt aus dieser Gegend und arbeitet seit Jahren im Park, kennt «seine Tiere». Und Richard mixt auch einen perfekten Gin Tonic.

Hyänen vor meiner Treppe zum Bungalow

Zum Abendessen treffen sich alle Gäste wieder. «Nachmittags wollte ich aus unserem Bungalow – doch da stand ein Warzenschwein vor der Tür», erzählt Martina halb erschrocken, halb amüsiert. Sie und ihr Mann haben ein Jahr in Uganda gearbeitet, ihre Kinder sind hier in die Internationale Schule gegangen. Bald fliegen sie zurück in die Staaten, in ihr «altes» Leben.

Irgendwann bin ich müde und will schlafen gehen. Alleine darf ich ja nicht zu meinem Zimmer gehen. Ein Wachmann begleitet mich mit Taschenlampe über den Felsen und einem kurzen Trampelpfad. Aus der schwärze der Nacht und gleich beim Treppenabsatz starren uns zwei gelbe Augen an. «Ein Schakal?», flüstere ich. Tagsüber habe ich nahe bei der Lodge einen gesehen. Doch dann dreht sich das Tier ab und als es davon läuft sehen wir in der Silhouette, dass es eine Hyäne war.

Als ich mich nachtfertig mache, höre ich nahe Schritte im Gras. Erkennen kann ich nichts in der Dunkelheit. Ausgelacht werde ich! Die Hyäne kichert und scheint sich zu freuen, dass sie unsichtbar ist. Genial, mit solchen Erlebnissen und Geräuschen einzuschlafen.

Weitere Informationen und Reisetipps:

» Erfahren Sie weitere Tipps im 2. Teil von diesem Blogbeitrag

Gastautor: Gaby IndermaurGastautorin, Fotografin und leidenschaftliche Reisende

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