Besteigung des Gunung Rinjani

Besteigung des Gunung Rinjani

Reise-Reporter, 2. April 2014

Reise-Reporter Andy Ackermann erzählt von der Besteigung des Gunung Rinjani auf der Insel Lombok in Indonesien.

Der Rinjani ist mit 3726 Meter der zweithöchste Vulkan Indonesiens. Er besteht aus einem grossen Krater und einem kleineren innerhalb des grossen. Die letzten grössten Eruptionen waren im Mai 2009 und Mai 2010. Der äussere Krater stammt von einer Eruption von 1257 und war bis dahin die grösste seit die Menschen gelernt haben zu schreiben. Der kleine Krater innerhalb ist von einem See umgeben.

Der innere Krater

Der innere Krater

Am 31. August verlasse ich die paradisischen Gili Islands per Boot Richtung Lombok von wo aus mich ein Minibus nach Senaru bringt. Senaru liegt auf 601 Meter und ist der Ausgangspunkt der dreitägigen Treckingtour.

Die ersten zweienhalb Stunden bin ich mit einem Träger und einem paar unterwegs – er Holländer, sie aus Singapur. Beim ersten längeren Rast treffen wir auf den Rest unserer Gruppe. Die drei anderen Träger und der Guide sind bereits daran das Mittagessen zu kochen. Nachdem wir nun auf die restlichen Träger, den Guide, zwei Engländerinnen, ein belgisches Paar, einen Franzosen und eine halb philippinerin/halb amerikanerin gestossen sind, welche bereits etwas vor uns gestartet sind, ist unsere Gruppe komplett.

Es folgt ein anstrengender Weg durch Dschungel und Wiesen vorbei an Affen und anderen Tieren zu unserem ersten Camp auf 2600 Meter. Währenddem unser Guide und die Träger die Zelte aufstellen und das Nachtessen zubereiten, geniessen wir die traumhafte Aussicht vom äusseren Krater aus auf den inneren Krater, den Gipfel des äusseren Kraters, den See und die Umgebung. Als es Nacht wird, wird es schnell extrem Kalt. Jetzt bin ich sehr froh um meine secondhand Jacke, die ich auf Bali gekauft habe. Doch auch mit einem Shirt, der dicken Jacke und meiner Regenjacke friere ich noch immer!

Die Aussicht auf die Gili Islands ist wunderbar und es ist für mich nur schwer vorstellbar, dass ich noch vor 24 Stunden mit Shirt, Shorts und Flip-Flops dort am Strand sass und Bier trank und ich mir jetzt auf 2600 Meter den Arsch abfriere. Die Aussicht und die Stimmung lassen die Strapazen des ersten Tages vergessen. Nach dem Nachtessen, um 20 Uhr, verkrieche ich mich in mein Zelt und hülle mich in meinen Schlafsack ein. Das Zelt teile ich mit dem schnarchenden Franzosen. Nachts verwache ich immer wieder, da es extrem kalt ist und die Matte einer Atrappe einer europäischen Campingmatte entspricht.

Der schnarchende, ca. 40 Jahre alte, Franzose verlässt unsere Gruppe am nächsten Tag, weil die Tour für ihn zu hart ist. Super, ab jetzt habe ich das Zelt für mich alleine und kann erst noch ungestört schlafen. Mit ihm machen sich auch die zwei Engländerinnen, welche nur eine zweitägige Tour gebucht haben und ein Träger auf den Weg zurück zum Ausgangspunkt.

Am Morgen im Camp

Am Morgen im Camp

Nachdem wir gefrühstückt und die Aussicht genossen haben, wandern wir zum See innerhalb des äusseren Kraters hinunter. Der Abstieg ist sehr steil.

Beim See angekommen bereiten unsere Träger das Mittagessen vor währenddem sich unsere Touristengruppe mit Guide zu den heissen Quellen aufmacht. Diese sind ein zehn minütiger Marsch von unserem Verpflegungsort entfernt. Es ist eine riesen Wohltat in dem geschätzten 40 Grad heissen Wasser zu baden. Als ich dann noch sehe wie zwei einheimische von einem Felsen in das Wasser springen zuckt es mich auch in den Beinen. Nachdem ich den Grund abgetaucht habe und sicher bin, dass das Wasser überall mindestens 4 Meter tief ist springe ich auch! Sensationell!

Nach dem Mittagessen machen wir uns auf die 700 Meter Höhendifferenz bis zum nächsten Camp unterhalb des Rings des äusseren Vulkans zu überwinden. Der Aufstieg ist hart und oft muss man sich mit den Händen an den Felsen hochziehen. Oben angekommen, errichten unsere Träger und der Guide das Nachtlager. Nach dem Abendessen verkrieche ich mich bereits wieder in meinem Zelt, denn Morgen wird ein harter Tag werden.

Um 3.00 Uhr ziehen wir los um den härtesten Teil des Vulkans zu bezwingen – den auf 3726 hoch gelegenen Gipfel des Rinjanis. Für den 1000 Meter hohen Aufstieg benötigen wir ungefähr drei Stunden. Dies ist die härteste Wanderung, die ich je gemacht habe. Der erste Teil ist steil und geht über Vulkangeröll. Der mittlere Teil ist auch hart aber schon fast eine Erholung im Vergleich was noch kommt. In Zwischenzeit ist es auch gefühlte minus 10 Grad wegen der eiskalten Biese, die mir um die Ohren zieht.

Der letzte Teil ist extrem steil, rechts und links ein Abhang und mit jedem Schritt rutscht man jetzt ein bis zwei Schuhlängen nach hinten. Das Vulkangeröll macht das ganze wirklich zu einem Kampf: Ich gegen den Gunung Rinjani. Doch ich siege und bezwinge den 3726 Meter hohen Gipfel gerade noch vor Sonnenaufgang. Doch von meiner Gruppe ist nur noch der Belgier übrig geblieben. Die philippino-amerikanerin trifft ungefähr 20 Minuten und der Holländer mit unserem Guide 45 Minuten nach uns auf dem Gipfel ein. Die Freundin (Singapur) des Holländers hat sich den Aufstieg erst gar nicht zugetraut und die Freundin des Belgiers ist noch während des ersten Abschnitts umgekehrt.

Auf dem Gipfel

Auf dem Gipfel

Ich fühlte mich schon lange nicht mehr so lebendig, wie als ich auf dem 3726 hohen Vulkan stehe und mir den Sonnenaufgang ansehe und die traumhafte Aussicht geniesse. Ich bin ungefähr eine Dreiviertelstunde auf dem Gipfel. Als ich meinen Hosenknopf aufmache um die Jacke rein zu stopfen, schaffe ich es nicht mehr ihn zu schliessen, da ich meine Hände nicht mehr spüre. Auch mit dem Kamera versorgen habe ich meine Mühe. Der Weg zurück, das Vulkangeröll hinunter, ist wie wenn man im Tiefschnee talwärts läuft. Hinunter benötigen wir anderthalb Stunden wobei ich drei Mal einen Halt einlegen muss, um ein Kilo Vulkangeröll aus meinen Joggingschuhen zu kippen.

Auf dem Weg zurück zum Camp sichte ich noch ein paar Affen. Als ich meine Kamera aus dem Rucksack nehmen will, raschelt ein Plastiksack und darauf rennen die Affen auf mich zu, da sie wohl meinen, ich hätte was zu futtern. Das mit dem Foto lasse ich dann schnell sein und renne den Berg hinunter…

Travelhouse bedankt sich bei Reise-Reporter Andy Ackermann aus Erlinsbach für den tollen Reisebericht!

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